München setzt ESG-Cockpit für klimaneutrale Stadtverwaltung ein

Juni 18, 2025

Auf dem Weg zur Klimaneutralität müssen Städte und Gemeinden Emissionen im eigenen Einflussbereich bilanzieren – eine anspruchsvolle Aufgabe, bedenkt man alleine die Menge der Stakeholder, die einzubeziehen sind. Die bayerische Landeshauptstadt München setzt dabei auf ein eigenes „Corporate Carbon Footprint“-Teamunterstützt von akaryon und seinem ESG-Cockpit und dem Klima-Bündnis Deutschland.

Herausforderungen in der klimaneutralen Verwaltung begegnen

Foto von Sandra Grünewald auf Unsplash

Eckpfeiler der Münchner Klimaneutralitäts-Strategie sind:

  • Zentraler Beschluss als Grundlage: Der Stadtrat München setzte sich 2019 das Ziel der Klimaneutralität bis 2030.
    „Ein zentraler Baustein für den Erfolg des Vorhabens ist aus meiner Sicht die Entscheidung für die klimaneutrale Verwaltung auf oberster Ebene – sei es ein offizieller Ratsbeschluss oder eine Weisung des Bürgermeisters. Das ist die Voraussetzung dafür, dass alle mitmachen und gemeinsam an einem Strang ziehen“, so Astrid Keidel aus dem Referat für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt München.
  • Monitoring: „Corporate Carbon Footprint“ nennt die Münchner Stadtverwaltung ihr Instrument zum Monitoring des Erfolgs. Der Prozess startete bereits 2019 mit der ersten Bilanzierung. Zuletzt wurden die Bilanzen 2020 und 2021 veröffentlicht. Die anstehende Bilanzierung wird mit dem ESG-Cockpit von akaryon in Zusammenarbeit mit dem Klima-Bündnis Deutschland durchgeführt.
  • Mit gutem Beispiel vorangehen und Stakeholder einbinden: Fokussierte Maßnahmen sind u.a. die Sanierung eigener Liegenschaften, hohe energetische Neubaustandards, der Wechsel auf erneuerbare Energieträger beziehungsweise die Dekarbonisierung der Fernwärme, Sensibilisierung der Mitarbeitenden der Stadtverwaltung, nachhaltige Mobilitätsangebote und nachhaltige interne Richtlinien z.B. für Dienstreisen. Eine Besonderheit des Münchner Wegs ist die Einbindung aller Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften, bei denen die Stadt mindestens 50 % Anteile hält.
  • Netzwerk städtischer Akteurinnen: Kommunikation ist in diesem Prozess besonders wichtig. Die Stadtverwaltung München plant regelmäßig Bekanntgaben in Abstimmung mit den Beteiligten, Informationsveranstaltungen zum Ablauf und Zeitplan der Datenlieferungen und Berichterstattung, Netzwerktreffen (z.B. bereits zum Thema PV erfolgt) und Synergie-Bildung (z.B. bereits initiierter Austausch zwischen Kliniken und Pflegeheimen im Bereich nachhaltige Beschaffung oder Nachhaltigkeit in der Küche).
    „Ein zentraler Erfolgsfaktor für uns ist die Netzwerkbildung, denn nur so schaffen wir es, alle rund 200 beteiligten Personen einzubinden und zum Mitmachen zu motivieren. Wichtig ist auch, dass wir als Stadtverwaltung dabei als zentraler Ansprechpartner auftreten und die Fäden zusammenhalten“, erläutert Astrid Keidel.

Stakeholder-Einbindung, Vergleichbarkeit, Eindeutigkeit – hierzu trägt das ESG-Cockpit bei

Services von Klima-Bündnis Deutschland rund um das ESG-Cockpit auf esgberatung.org

Bei der Klimabilanzierung steht die Stadtverwaltung München u.a. vor folgenden Herausforderungen:

  • Zahl und Diversität der Stakeholder: Geschäftsführer:innen, Klimaschutzmanager:innen und weiteren Ansprechpartner:innen aller beteiligten Institutionen sind einzubeziehen. Das erfordert einen strategischen Austausch und gute Kommunikation.
  • Vergleichbarkeit: Die Basisjahre der Unternehmen unterscheiden sich teils, die Entwicklungen der Zahlen unterliegen Schwankungen durch externe Faktoren wie beispielsweise Pandemien, Kriegsgeschehnisse, Flächenzuwächse, unterschiedliche Datenverfügbarkeiten oder Berichtsstandards in den Betrieben. Zahlen bedürfen somit einer Erläuterung.
  • Doppelbilanzierung: Die Emissionsdaten der kommunalen Stadtwerke bilden die gesamte Energieproduktion ab und so unter auch anderem die Endenergieverbräuche der anderen beteiligten Unternehmen. Hier muss für Eindeutigkeit gesorgt werden.

Das ESG-Cockpit trägt zu einer strukturierten Bewältigung der Herausforderung bei.

Die Stadtverwaltung München beschaffte das Bilanzierungstool und stellt es kostenfrei allen Beteiligten zur Verfügung, die Daten für die Bilanz der Stadt eingeben oder für ihre eigenen Unternehmen und Organisationen Nachhaltigkeitsberichte erstellen möchten.

In Zusammenarbeit mit akaryon und dem Klima-Bündnis Deutschland werden die Nutzer:innen umfassend geschult und beraten. Ziel ist eine künftig stadtweit effiziente und vereinfachte Bilanzierung.

Übertragbarkeit auf andere Kommunen

Ganz gleich ob für Großstadt oder ländliche Gemeinde – weitere Erfolgsfaktoren im Bereich klimaneutrale Stadtverwaltung neben der Relevanz eines zentralen Beschlusses und der Nutzung hilfreicher Software wie dem ESG-Cockpit* sind für Astrid Keidel, Leiterin des Corporate Carbon Footprint“-Teams:

  • Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften darauf hinweisen, dass sie im Sinne einer Win-Win-Situation durch die Mitarbeit in der klimaneutralen Verwaltung die gesetzlichen Pflichten erfüllen können, denen sie teils unterliegen
  • Thematischer Austausch außerhalb der eigenen Kommune, beispielsweise im Rahmen der Klima-Bündnis-Arbeitsgruppe „Klimaneutrale Verwaltung“** oder durch Auseinandersetzung mit Leitfäden, wie dem ifeu-Guide „Leitfaden Klimaneutrale Kommunalverwaltung Baden-Württemberg“

*Informationen zu den Services rund um das ESG-Cockpit, die das Klima-Bündnis Deutschland auch für Ihre Stadt oder Gemeinde bietet, erhalten Sie hier.

**Die deutsche Arbeitsgruppe „Klimaneutrale Verwaltung“ des Klima-Bündnis trifft sich regelmäßig persönlich oder online. Sie widmet sich Themen wie Berichtswesen, Prozesse, Tools, Datenbeschaffung, Standards, Finanzierung und Maßnahmen und ermöglicht Austausch. Bei Interesse, Teil der Arbeitsgruppe zu werden und das Ziel der klimaneutralen Verwaltung in Ihrer Kommune voranzubringen, können Sie Sina Jäger unter s.jaeger(at)klimabuendnis.org kontaktieren.


Hier gelangen Sie zu einer ausführlicheren Version des Artikels auf der Website des Klima-Bündnis Deutschland.

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